Berichte zu den zuletzt stattgefundenen Führungen
Rückblick auf Führung über den Südfriedhof am 08.09.2026
Der Südfriedhof ist einer von insgesamt 55 noch aktiven Friedhöfen in Köln. Mit 47.500 Grabstätten ist er dahingehend zwar kleiner als Melaten, aber flächenmäßig um etwa 1/3 größer, nämlich rund 61,5 Hektar. Das entspricht mehr als 80 Fußballfeldern.
Der Südfriedhof wurde von Alfred Kowallek gestaltet und ursprünglich als Entlastungsfriedhof für Melaten angelegt. Die Eröffnung fand am 01.04.1901 statt und bis 1963 wurde er bereits 5 Mal erweitert.
Bei dieser Führung führte uns Uli Kievernagel, der Köln Lotse, über den parkähnlich angelegten Südfriedhof. Neben den Fakten zum Friedhof an sich versorgte er uns mit Informationen zu einigen hier bestatteten Kölner Persönlichkeiten und hatte auch einige Anekdoten für uns parat.
Den ersten Halt legten wir am Grab von Franz Kremer ein. Er war der erste FC-Präsident nach der Fusion von Kölner BC und der Spielvereinigung Sülz 07 am 13. Februar 1948. Er warb mit dem legendären Satz „Wollt ihr mit mir Deutscher Meister werden?“ für den Zusammenschluss der beiden Clubs. Er verstarb plötzlich und unerwartet am 11.11.1967 – tragischerweise Zuhause während eines FC Spiels, dessen Ausgang er nicht mehr miterlebte.

Als nächstes ging es zum Grab von Peter Müller, genannt Die Aap. Er wurde vor allem bekannt durch seinen Boxkampf im Jahr 1952, bei dem er sich durch den Ringrichter beleidigt fühlte und ihn kurzerhand ausknockte. Seine lebenslange Sperre wurde bereits nach 7 Monaten aufgehoben, so dass er es während seiner Boxerkarriere noch auf 162 Profikämpfe brachte.

Quelle: Der Spiegel, Foto: AP
Mit der Grabstätte von Hans Schäfer ging es erneut um den 1. FC Köln. Schäfer symbolisiert den 1. FC Köln wie kaum ein anderer. 17 Jahre lang trug er das FC-Trikot, führte den Club als Kapitän zu zwei deutschen Meisterschaften und wurde 1954 Fußball-Weltmeister. Ihm zu Ehren wurde die Südkurve 2018 in „Hans Schäfer Südkurve“ benannt.

Jean „Schäng“ Löring war vor allem als Funktionär von Fortuna Köln bekannt. Eine Fußballerkarriere blieb ihm aufgrund einer Hüftverletzung verwehrt. Als Präsident und Mäzen des Vereins machte er sich dennoch einen Namen und stand über Jahrzehnte im Rampenlicht. Besonders die Entlassung von Trainer Toni Schumacher in der Halbzeitpause des Zweitligaspiels gegen Waldhof Mannheim im Jahr 1999 sollte einmalig gewesen sein.

Die Gruppe lauscht aufmerksam den Erläuterungen zu Hans Sion, dem „Vater des Kölsch“.
Neben seinem Jurastudium erwarb Sion auch den Titel des Braumeisters. Er war Impulsgeber und Verfechter der Kölsch-Kultur und Wegbereiter der Kölsch-Konvention vom 06. März 1986.
Auf dem Südfriedhof befinden sich mehrere Ehrenfriedhöfe. Ein besonders sehenswerter ist der des Commonwealth, der sich auch auf dessen eigenem Staatsgebiet befindet. 3500 Grabstätten sind hier zu finden von Soldaten, die im 1. Weltkrieg oder durch die Spanische Grippe ums Leben gekommen sind.
Ein fest eingeplantes Budget stellt die Pflege dieser Gräber sicher. Das Ergebnis ist deutlich sichtbar: die Grabsteine sind schneeweiß, alle Namen, Kompaniesymbole und Dienstgrade sind noch deutlich zu erkennen.

Karl Berbuer ist eine Legende des Kölner Karnevals. Wegen seines Bäckerberufes wurde er liebevoll auch „Das singende Hefeteilchen“ genannt.
Seine Lieder sind bis heute bekannt und werden immer wieder gern gesungen: Heidewitzka Herr Kapitän, Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien, Un et Arnöldche fleut oder das Camping Leed sind nur wenige davon.
Dafür, dass uns seine Lieder auch heute noch erfreuen, ist sein Grab leider nicht besonders gut gepflegt. Es machte uns nachdenklich, dass sich offenbar niemand dafür findet, seine letzte Ruhestätte in Ehren zu halten.
Neben allen Grabstätten sollte uns vor allem eine besonders betroffen machen:
Ursula Kuhr war Lehrerin in Volkhoven und wurde 1964 Opfer eines Attentats in ihrer Schule. Sie stellte sich schützend vor ihre Schüler und kam dabei selbst ums Leben.
8 Kinder und eine weitere Lehrerin verloren an diesem Tag ihr Leben. Viele weitere trugen schwere Verletzungen, vor allem Verbrennungen davon und werden ihr Leben lang an diesen schrecklichen Tag erinnert.

Der Grabstein von Ursula Kuhr erinnert an diese schreckliche Tat und symbolisiert, wie sie sich schützend vor die Kinder gestellt hat.
Neben weiteren Ehrenfriedhöfen für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkriegs – teilweise wurden hier Freund und Feind nebeneinander bestattet – im Tode also wieder vereint – besuchten wir auch den Teil des Friedhofs, auf dem Obdachlose bestattet werden.
Uli Kievernagel spendet pro Teilnehmer der Führung auf dem Südfriedhof 1,11€ an die Interessengemeinschaft „Bestattung obdachloser Menschen“. Er unterstützt die IG, damit auch diese Menschen eine würdevolle letzte Ruhestätte finden.
Kurz vor Ende unserer Tour kamen wir zum Rosengarten. Dieser ist Teil des Konzept Bestattungsgärten, was auf den ersten Blick auch gleich sichtbar wird:
Dieser Bereich ist mit vielen farbenfrohen Blumen angelegt und ein besonders schöner Ort der Stille und Einkehr auf dem weitläufigen Gelände. Ein neues Konzept, das auf großen Zuspruch trifft. Der Rosengarten ist bereits vollständig belegt.

Zuguterletzt dachten wir gemeinsam über die Frage nach, ob es noch Friedhöfe wie diesen braucht. In Zeiten, in denen Urnenbestattungen etwa 80% der Bestattungen insgesamt einnehmen, ist diese Frage durchaus berechtigt. Sie macht uns gleichzeitig nachdenklich, was wir uns für uns selbst einmal wünschen.
Die unterschiedlichen Modelle, die wir bei dieser Führung gesehen haben, Erdbestattung, Urnenbestattung, teilanonym oder ganz anonym, vielleicht auch gar nicht auf einem Friedhof (Hans Süper hat sich beispielsweise auf See bestatten lassen), geben uns auf jeden Fall Denkanstöße.
Unser herzlicher Dank gilt Uli Kievernagel, dem Köln Lotsen, der uns über den Südfriedhof geführt und mit interessanten Informationen und Geschichten rund um die Menschen versorgt hat,
die dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Ebenso bedanken wir uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern,
die die Führung mit so großem Interesse begleitet haben und auch bereit waren, die große Runde zu gehen, so dass wir am Ende gemeinsam mehr als 3 Stunden unterwegs waren.
Bettina Weber, 08.09.2026
Rückblick auf Führung am Flughafen Köln Bonn am 04.09.2026

Der Flughafen Köln/Bonn ist den meisten von uns sicherlich vertraut – sei es als Ausgangspunkt für den eigenen Urlaub oder als Ort, an dem wir jemanden nach seiner Ankunft in Empfang genommen haben. Doch was sich hinter den Kulissen abspielt, bleibt uns normalerweise verborgen.
Bei unserer Führung über das Flughafengelände durften wir einige dieser Bereiche kennenlernen. Ariane Penske vom Besucherservice und Busfahrer Inan führten uns über das weitläufige Flughafengelände, hinaus aufs Vorfeld und versorgten uns dabei mit vielen interessanten und teilweise exklusiven Informationen. Sie reagierten spontan auf den Flugplan und so konnten wir startende und gerade angekommene Flugzeuge beobachten.
Der Flughafen Köln/Bonn ist mittlerweile 75 Jahre alt. Rund 15.500 Menschen arbeiten hier. Mit etwa 10 Millionen Fluggästen im Jahr 2025 liegt er deutschlandweit auf Platz 6. Vor allem Eurowings und Ryanair bieten von Köln/Bonn aus viele Flüge zu unterschiedlichen Destinationen an. Besonders beliebt sind die Verbindungen nach Antalya und Mallorca.
Auch bei den Start- und Landebahnen hat der Flughafen einiges zu bieten: Die längste Bahn ist 3.815 Meter lang und 60 Meter breit – damit verfügt Köln/Bonn über die zweitlängste Start- und Landebahn Deutschlands. Hier können alle Flugzeugtypen landen.

Lauda Europe Maschine im Auftrag der Ryanair während der Vorbereitung für den nächsten Ablug
Besonders spannend war für uns der Blick auf die Abläufe am Boden. Wir konnten beobachten, wie ein Flugzeug für seinen nächsten Abflug vorbereitet wurde. Teilweise stehen dafür gerade einmal 25 Minuten zur Verfügung. In dieser kurzen Zeit müssen die Passagiere aussteigen, das Flugzeug wird betankt, Sicherheitschecks werden durchgeführt, das Gepäck wird ausgeladen und für den nächsten Flug wieder eingeladen und gleichzeitig wird der Passagierbereich gereinigt. Hier gilt: Zeit ist Geld, denn nur in der Luft verdient eine Fluggesellschaft Geld mit ihren Fliegern.
Auch die Arbeit der Fluglotsen erfordert höchste Konzentration. Fünf Fluglotsen sind ständig für den Flughafen im Einsatz und arbeiten aufgrund der hohen Belastung jeweils nur etwa drei Stunden am Stück. Solange sich ein Flugzeug am Boden bewegt, ist ein Fluglotse für den Bodenbereich zuständig. Sobald die Maschine in den Luftraum startet, übernimmt die Deutsche Flugsicherung.

Der Lotse leitet den Flugkapitän zur exakten Parkposition
Während der Flugverkehr tagsüber noch vergleichsweise überschaubar wirkt, wird es in der Nacht besonders geschäftig. Ein Grund dafür ist UPS, das am Flughafen Köln/Bonn seinen zentralen europäischen Luftumschlagplatz betreibt. Rund 3.500 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Nachts treffen bis zu 47 Flugzeuge ein, und in Spitzenzeiten werden pro Stunde bis zu 200.000 Päckchen und Pakete sortiert.
Für den Fall, dass doch einmal etwas schiefgeht, steht die Flughafenfeuerwehr bereit. Sie verfügt über modernste Fahrzeuge und umfangreiches Equipment. Nach einem Alarm müssen die Feuerwehrleute innerhalb von nur 20 Sekunden vollständig ausgerüstet im Fahrzeug sitzen. Bereits nach spätestens 180 Sekunden müssen sie jeden Ort auf dem Flughafengelände erreicht und mit den Löscharbeiten begonnen haben.
Besonders beeindruckend waren die mächtigen Feuerwehrfahrzeuge vom Typ „Panther“. Mit rund 1.600 PS und einem Anschaffungspreis von etwa 1,7 Millionen Euro machen sie schon auf den ersten Blick Eindruck.
Der Flughafen verfügt über drei Kerosintanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils drei Millionen Litern. Nachgefüllt werden die Tanks über eine unterirdische NATO-Pipeline, die vom Hafen Rotterdam bis zum Flughafen führt.
Nach dieser abwechslungsreichen Führung haben wir den Flughafen Köln/Bonn sicherlich mit anderen Augen gesehen. Hinter dem scheinbar selbstverständlichen Start und der Landung eines Flugzeugs steckt ein beeindruckendes Zusammenspiel aus Technik, Logistik und vielen Menschen, die dafür sorgen, dass am Ende alles funktioniert.
Unser herzlicher Dank gilt Ariane Penske und Inan, die uns den Flughafen und die Abläufe auf eindrucksvolle Weise und mit vielen Informationen näher gebracht haben.
Ebenso bedanken wir uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die die Führung mit so großem Interesse begleitet haben.
Bettina Weber, 04.09.2026
Rückblick auf die Veedelstour Ehrenfeld am 18.07.2026

Köln-Ehrenfeld gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Veedeln. Es liegt westlich der Kölner Innenstadt und vereint Geschichte, Kultur, Kreativität und modernes Großstadtleben. Einst ein Industrie- und Arbeiterstadtteil, hat sich Ehrenfeld im Laufe der Jahrzehnte zu einem lebendigen und vielfältigen Viertel entwickelt, das Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten anzieht.
Dagmar Lutz von k3 Stadtführungen führte uns an diesem Tag durch Ehrenfeld und berichtete von der Entstehung bis hin zum heutigen Zustand.
Die Geschichte Ehrenfelds beginnt im 19. Jahrhundert. Mit der Industrialisierung entwickelte sich Ehrenfeld zu einem bedeutenden Industriestandort. Neben zahlreichen Fabriken prägten auch die Ziegelbrennereien das Ortsbild, da ihre Ziegel für den Bau der vielen neuen Wohn- und Industriegebäude benötigt wurden. Im Jahr 1888 wurde Ehrenfeld nach Köln eingemeindet. Noch heute erinnern viele ehemalige Fabrikgebäude an diese Zeit. Einige von ihnen wurden liebevoll restauriert und dienen inzwischen als Veranstaltungsorte, Büros oder Ateliers.
Besonders bekannt ist Ehrenfeld für seine kulturelle Vielfalt. Menschen aus vielen verschiedenen Ländern leben hier zusammen und prägen das Stadtbild. Zahlreiche Restaurants, Cafés und kleine Geschäfte bieten Spezialitäten aus aller Welt an. Gleichzeitig finden sich traditionelle Kölner Gaststätten und Brauhäuser, die das kölsche Lebensgefühl bewahren.
Ein Wahrzeichen des Veedels ist der Helios-Leuchtturm. Er gehört zum ehemaligen Helios-Werk, in dem früher elektrische Anlagen hergestellt wurden. Heute erinnert der markante Turm an die industrielle Vergangenheit Ehrenfelds und ist weithin sichtbar. Die Zukunft des Geländes durchlief mehrere Planungsansätze und bleibt doch erst einmal unklar.

Auch Kunst und Musik spielen in Ehrenfeld eine große Rolle. Überall im Veedel finden sich Graffiti und Street-Art-Kunstwerke, die Häuserwände und Fassaden schmücken. Einige davon wurden in Auftrag gegeben und widmen sich einem bestimmten, teils auch gesellschaftskritischem Thema.

Die Körnerstraße ist eine der beliebtesten Straßen Ehrenfelds mit ihrem besonderen Charme, kleinen Boutiquen und regelmäßig stattfindenden Straßenfesten – so auch am Tag unserer Führung.
Das ehemalige Bunkergebäude in der Körnerstraße gehört ebenfalls zum Stadtbild und vereint die Erinnerung an eine dunkle Zeit deutscher Geschichte mit der Moderne.

Unser herzlicher Dank gilt Dagmar Lutz, die uns auf lebhafte Weise Ehrenfeld mit seiner Geschichte näher gebracht hat.
Ebenso bedanken wir uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die die Führung mit großem Interesse begleitet haben.
Bettina Weber, 18.07.2026